Finnland-Feeling trifft Wales-Wetter: Claire Schönborn vor nächstem Rallye-EM-Neuland

  • Rali Ceredigion (Vereinigtes Königreich) in Mittel-Wales stellt mit schnellen, schmalen Asphalt-Straßen neue Herausforderungen an Junior-EM-Crews
  • Wohl denjenigen, die bei wechselhaftem Wetter ihrem Aufschrieb vertrauen – Witterung à la Wales bringt Extra-Würze
  • Antennen auf Empfang, Lern-Modus an: Claire Schönborn geht fünften Junior-EM-Lauf in der FIA Rallye-Europameisterschaft (ERC) mit gewohnt vorfreudiger Demut an

Absolut temporeich, enorm knifflig, komplettes Neuland: Claire Schönborn aus Löffelscheid im Hunsrück und ihr Beifahrer Michael Wenzel (Kaiserslautern) gehen mit vorfreudiger Demut in die Rali Ceredigion in Wales. Beim fünften Saisonlauf der Junior-EM-Wertung in der FIA Rallye-Europameisterschaft (ERC) vom 4. bis 6. September sind die Sinne also wieder entsprechend geschärft. Bei der Asphalt-Rallye sind neben hohem Tempo auf schmalen, rhythmischen Sträßchen durch teils neblige Moorlandschaften mit wechselnden Grip-Verhältnissen ein präziser Aufschrieb und viel Vertrauen in das eigene Urteilsvermögen und Handlungsschnelligkeit gefragt. Neben dem Finnland-Feeling hinsichtlich der Rallye-mäßigen Tempo-Bolzerei könnte das Wales-Wetter die Schwierigkeitsstufe entsprechend erhöhen – wie gemacht für erfahrene Crews und jene mit steilen Lernkurven.

„Ich freue mich riesig auf diese neue Herausforderung. Ich war noch nie in Großbritannien am Start, entsprechend gespannt bin ich, wie sich alles anfühlt – angefangen beim Linksverkehr schon bei der Besichtigung. Fahrerisch reizt mich die Rali Ceredigion besonders, weil sie ein bisschen wie Finnland auf Asphalt wirkt, nur deutlich schmaler: extrem schnell, wellig, viele Kuppen und blinde Ecken. Dazu kommt das typisch walisische Wetter, das immer eine kleine Lotterie ist. Das verlangt viel Commitment und vor allem Vertrauen in den Aufschrieb. Die Rallye Finnland war bisher meine absolute Lieblingsveranstaltung – umso neugieriger bin ich, wie sich dieses Gefühl auf Asphalt übersetzt.“ Claire Schönborn

Tempo, Thesen, Temperamente: Worauf es ankommt
Auf dem Programm der Rallye im Vereinigten Königreich stehen 16 Wertungsprüfungen über 196,58 Kilometer in Ceredigion und Powys – von engen, welligen Sträßchen bis hin zu weitem offenem Moorland. Nach dem zeremoniellen Start am Donnerstagabend auf der Promenade beginnt der Freitag ab 19 Uhr mit zwei Läufen der Aberystwyth-Stadtprüfung, bevor es im Dunkeln auf Elerch und Blaenmelindwr geht – zwei technische Nachtprüfungen auf schmalen, holprigen Straßen, wo das Setup entscheidend ist. Der Samstag ist der längste Tag mit zwei Schleifen aus Aberffrwd, Soar y Mynydd und Cwm Elan – letztere ist mit 21,8 Kilometern die längste Prüfung des Wochenendes und führt ins Elan Valley. Am Sonntag folgen Gorsgoch und Ty Glyn, wobei der zweite Durchgang von Ty Glyn als Power Stage vor dem Ziel auf der Promenade dient.
Einen Schuss Extra-Würze könnte die Witterung beisteuern: Für Anfang September sind in Mittel-Wales typischerweise Höchstwerte um 16–20 °C, wechselhafte Atlantikluft, Schauerrisiko und Nebel bzw. Feuchtigkeit auf den Moorpassagen und unter Bäumen zu erwarten. Genau das ist der Punkt für die Juniorenwertung: Bei Nässe und Dunkelheit auf blinden, unebenen Landstraßen zahlen sich saubere Aufschriebe, Erfahrung mit Griffwechseln und Zurückhaltung im Risiko überproportional aus – die bisherigen Junior-Läufe 2026 wurden mehrfach von Reifenschäden und Ausritten entschieden. Die Junior-ERC rotiert ihre Läufe bewusst so, dass Fahrer im zweiten Jahr keinen Vorteil haben – die Ralli Ceredigion kehrt 2026 nach einem Jahr Pause zurück, sodass keine Junior-Crew aktuelle Streckenkenntnis mitbringt. Im Titelkampf liegen Tom Heinrichs (BEL) und Timo Schulz (GER) vorn – Teamkollegen von Claire Schönborn im ADAC Opel Rallye Junior Team.